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Artikel-Schlagworte: „Gott“

Im Kreuz ist Heil

„Im Kreuz ist…Heil“ – Warum eigentlich?

Ein Gerichtsprozess: Ein Mann ist zu schnell mit dem Auto gefahren. Er gibt das auch zu. Aber der Richter entzieht nicht dem Fahrer den Führerschein, sondern dessen Sohn, der auf der Rücksitzbank saß. Auf die Frage, warum er denn den Unschuldigen bestraft, antwortet der Richter: „Ist doch egal, wem ich den Führerschein entziehe. Hauptsache ist doch, dass überhaupt jemand zur Rechenschaft gezogen wird.“

So ein Fall würde sicher in die Rechtsgeschichte eingehen. So etwas ist undenkbar. Aber was den Tod Jesu angeht, ist genau diese Vorstellung, „Hauptsache ist doch, dass überhaupt jemand zur Rechenschaft gezogen wird“ in den Köpfen vorhanden.

Braucht Gott ein Opfer, um mit den Menschen versöhnt zu sein? Muss erst einer sterben, damit Gottes Rachegelüste befriedigt werden – nach dem Motto: Einer stirbt stellvertretend für alle und dann ist Gott zufrieden?

Viele Menschen denken so. Denken, dass Gott erst ein blutiges Opfer braucht, damit er zufrieden ist. Und deshalb wurde der sterbende Jesus auch auf vielen Kreuzigungsbildern sehr grausam zugerichtet dargestellt. Damit wir sein Opfer auch zu schätzen wissen.

Könnte Gott nicht anders zufrieden zu stellen sein? Der Neuendettelsauer Professor Track vertritt eine neue Sicht des Kreuzigungstodes Jesu: Jesus verkündigte Gott und seine Liebe. Als Zeichen dafür heilte er immer wieder Menschen, um zu zeigen, dass Gott unser Leiden und den Tod nicht will. Jesus predigte, dass die Menschen nicht nur äußerlich zu Gott gehören sollen, sondern ganz: mit Herz, Mund und Verstand.

Aber wir Menschen meinen ja oft, dass wir auch ohne Gott ganz gut auskommen, oder? Solange wir gesund sind, Freunde haben, genug Geld zum Leben, Urlaub – solange brauchen wir Gott eigentlich nicht. Und deshalb wurde Jesus auch gekreuzigt, weil die Menschen Gott nicht im Leben haben wollen. Gotte Sohn wurde sozusagen beiseite geschafft, „beseitigt“.

Das Heil, das Gott uns schenkt, besteht nun darin, dass Gott uns dies vergibt. Und ist es nicht so, dass wir Gott heute auch noch oft beseitigen: Wie oft denken Sie im Alltag an Gott? Wissen Sie, wo Ihre Bibel zu Hause liegt? Wann haben Sie zum letzten Mal richtig gebetet und dabei auch gedankt? Wenn andere lästern, schimpfen, meckern und klagen – machen Sie da mit? Oder können Sie schweigen oder gar widersprechen? Wenn (wichtige) Entscheidungen anstehen – fragen Sie nach Gottes Willen?

Gott vergibt uns, dass wir ihn immer wieder, ja täglich vergessen, beiseite schieben, unser Leben immer selbst machen wollen. Da Gott den Mördern seines Sohnes vergeben hat, vergibt er auch uns. Er nimmt uns als seine Kinder an und wir gehören ihm – heute und auch in der Ewigkeit. Das ist das Heil.

Pfarrer Udo Sehmisch